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Der große oberösterreichische
Bauernkrieg Die Ursachen, die zu den oberösterreichischen Bauernaufständen und schließlich zum großen Krieg von 1626 führten, sind im religiösen Bereich gleichermaßen zu finden wie in der politischen und wirtschaftlichen Sphäre. Besonders bedrückend wurde die Lage, als Oberösterreich – damals noch ohne Innviertel – 1620 an Bayern verpfändet wurde: die Lasten, die dadurch entstanden, erwiesen sich als zu hoch und kaum zu bewältigen; außerdem befürchtete man im protestantischen Oberösterreich, dass nun – unter der Herrschaft des streng katholischen bayrischen Herzogs Maximilian – die Gegenreformation mit voller Wucht einsetzen werde. Besonders seit dem Ausgang des Mittelalters (im 16. Jahrhundert) hatten sich die Leistungen der Untertanen an ihre Herren erheblich gemehrt. Außer dem jährlichen Gelddienst an die Grundherrschaft (dem sogenannten Trockenpfennig), der Urbar- oder Landsteuer und dem nach Bedarf des Landesfürsten für die Anwerbung von Kriegsvolk ausgeschriebenen Rüstgeld, waren die Leistungen der Untertanen ebenso mannigfaltig als verschieden nach Ort und Zeit. Sie reichten in natura bestimmte Mengen an Weizen, Gerste, Hafer, Mohn, Hanf, Haar, Kälber, Widder, Hähne, Hennen, Fische; bezahlten Freigeld, das bei Übergaben, Todesfällen und Herrschaftswechsel u. ä. zu erbringen war. Die Robot, deren Versäumung mit hochgegriffenen Geldstrafen belegt wurde, war entweder Hand- oder Zugrobot. Zur Handrobot gehörte die Bearbeitung der herrschaftlichen Gründe, ferner die Waldrobot, die Herstellung der herrschaftlichen Gebäude usw., die Küchendienste, die Haararbeit, die Spinnrobot, die Jagdrobot ... Zur Zugrobot gehörten Acker- und Felddienste, Zehentfuhren, Holzfuhren. Nach dem Rechte des sogenannten „Waisendienstes“ musste der Untertan seine Söhne und Töchter der betreffenden Herrschaft mehrere Jahre als Knechte und Mägde bei billigem Lohn überlassen. In Todesfällen fiel das beste Stück Vieh als Sterbhaupt der Herrschaft zu. Trat ein neuer Besitzer die Herrschaft an, so drängte man dem Untertanen neue „Bestätigungsbriefe“ auf; heiratete er, so hatte er der Herrschaft ein „Brautstück“ zu reichen. Auszügler und Inwohner (Inleute) wurden mit der „Winkelsteuer“ getroffen, letztere wurden auch zur Robot herangezogen. Nach den wie ein Wetterleuchten vorangegangenen kleineren Aufständen und Beschwerden der Bauern um Verbesserung ihrer Lage vom 14. Jahrhundert an bracht auch bei uns 1525 der erste Bauernkrieg los. Er wirkte sich aber hier nur als ein letzter Ausläufer der gewaltigen und blutigen sozialrevolutionären Bewegung in Süddeutschland aus und verlief ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Es kam zwar zu Bauernzusammenrottungen im Attergau, in der Freistädter Gegend, im Ennstal und im inneren Salzkammergut, aber zu keinen blutigen Kämpfen. Zwischen 1595 und 1597 gärte es neuerlich im Lande ob der Enns. Hier, im zweiten Bauernaufstand von 1595 bis 1597, spielte auch die konfessionelle Frage eine gewisse Rolle. Die einzige größere kriegerische Auseinandersetzung fand am 13. November 1595 bei Neumarkt/Hausruck statt, wo Weikhard von Polheim mit 400 Mann ständischer Truppen gegen einige tausend Bauern antrat und eine blutige Niederlage erlitt. Zum Gedenken an diese Schlacht wurde in der Ortschaft Kledt eine Gedächtniskapelle errichtet. Der größte und blutigste Bauernkrieg im Lande ob der Enns entbrannte im Jahre 1626. Die Ursachen des Krieges waren verschiedener Art, so konfessioneller Natur, dann durch die Bedrückung durch die bayrische Soldateska, teils auch durch die allgemeinen Bedrückungen der bäuerlichen Untertanen durch die Obrigkeiten ausgelöst worden, und schließlich politischer Natur. Aufgrund eines Vertrages vom 8. Oktober 1619 hatte Kaiser Ferdinand II. das Land Oberösterreich als Gegenleistung für seine Waffenhilfe an seinen Jugendfreund und Vetter, Herzog Maximilian von Bayern, verpfändet. Nachdem die Stände am 20. August 1620 notgedrungen dem neuen Herrscher gehuldigt hatten, setzte dieser Adam Graf von Herberstorff als seinen Statthalter ein. Am 24. Juli 1620 war Herzog Maximilian mit 30.000 Mann gegen Oberösterreich gezogen und hatte bei Geiersberg die Grenze überschritten. Um angeblich die Ruhe im Lande zu erhalten, unterhielt Herberstorff verhältnismäßig viele Soldaten, die in den größeren Orten untergebracht waren. Es kam sehr häufig zu Übergriffen der Soldaten, und so war es irgendwie verständlich, dass die Bauern die bayrische Besatzung als unerträgliche Belastung empfanden. Auf den Fahnen der aufständischen Bauern konnte man daher auch folgenden Spruch lesen: Von Bayern Joch und Tyrannei Gewissermaßen zum Symbol für die Bedrängnis wurde Statthalter Adam Graf von HERBERSTORFF. Er wurde durch sein Vorgehen auf dem Haushamer Feld nächst Vöcklamarkt im Mai 1625 zum Bauernfresser und Tyrann gestempelt. Ohne Verhör ließ er Bürger und Bauern, die einige Tage zuvor an einem Aufstand in Frankenburg beteiligt gewesen war, um ihr Leben würfeln – wer verlor, wurde sofort dem Henker übergeben. Nachdem die Bauern vom Militär umstellt worden waren, mussten die Ratsherren der Märkte Frankenburg und Vöcklamarkt, sowie die Räte und Zechpröbste der übrigen Pfarren vortreten (insgesamt 38) und um ihr Leben würfeln. Herberstorff und Kaiser Ferdinand II. drängten zwar auf die Durchführung der Gegenreformation, aber Maximilian von Bayern wehrte sich dagegen. Erst im Jahre 1624 wurde der erste entscheidende Schritt in dieser Richtung getan. Ein kaiserliches Patent vom 4. Oktober 1624 zwang alle evangelischen Prediger und Schulmeister, innerhalb kürzester zeit das Land zu verlassen. Zu Beginn des folgenden Jahres wurden die evangelischen Stadtobrigkeiten durch katholische ersetzt, soweit dies überhaupt möglich war. Im Zusammenhang mit der Einsetzung katholischer Geistlicher kam es im Jahre 1625 bereits zu verschiedenen Widerständen. Der erste zeigte sich in Natternbach, als im Jänner der wälische Linzer Dechant Blasius Aliprandinus de Livo einen seiner Landsleute in Natternbach als katholischen Pfarrer einsetzen wollte. Einige hundert Bauern liefen zusammen und vertrieben mit Steinwürfen die katholischen Pfarrer und den Reformationskommissär. In der Folge ließ Graf Herberstorff fünf Rädelsführer verhaften. Er schenkte aber den Verhafteten die Freiheit mit der Begründung, dass es unbillig sei, „deutschen Bauern einen italienischen Priester aufzudrängen“. Ein ähnlicher Aufruhr wie in Natternbach entstand am 11. Mai 1625 in Frankenburg, wo der eben zum katholischen Glauben übergetretene Oberpfleger Grünbacher einen katholischen Pfarrer einsetzen wollte. Bewaffnete Bürger und Bauern versammelten sich, läuteten Sturm und vertrieben den Oberpfleger und den Pfarrer, den sie verprügelten. Die Bauern belagerten mit etwa 1500 Mann das Schloss, in welches der Pfleger geflüchtet war. Schon am folgenden Tag stieg die Zahl der Belagerer auf 5000 an. Herberstorff, dessen Milde beim Natternbacher Aufruhr vom Kaiser und vom Herzog gerügt und ihm in folgenden Fällen Strenge, wie Aufhängen an der Straße, nahegelegt wurden, ging nun hart gegen die Aufrührer vor. Er lud sie für den 15. Mai zur großen Linde am Haushamer Feld vor und versprach ihnen bei Erscheinen Straffreiheit. 6000 Bauern stellten sich ein, die er von einer Heerschar umstellen ließ. Darauf mussten die Pfarrausschüsse, Richter, Räte und Zechpröbste, 36 an der Zahl, vortreten, die dann um ihr Leben würfeln mussten. 16 von ihnen wurde gehängt und zwei auf Bitten des Pflegers freigesprochen. Das grauenvolle Geschehen lebt heute als das „Frankenburger Würfelspiel“ in der Erinnerung des Volkes fort. Von diesem Zeitpunkt an waren alle Sympathien für den Statthalter und auch jedes Vertrauen der Bauern geschwunden. In der kritischen Situation des März 1626 verlangte Herberstorff durch ein Patent die Entwaffnung der Bürger und Bauern. Er begründete dies damit, dass er die Besatzung und damit auch die finanziellen Lasten der Bevölkerung verringern wolle. Als Voraussetzung müsse aber auch die Sicherheit gegeben sein, dass nicht eine unzufriedene Minderheit Unruhe stiften könne. Dieser Aufforderung wurde auch tatsächlich Folge geleistet, und seither lagen die Waffen in den Burgen und Schlössern bzw. in den Rathäusern der Städte und Märkte beisammen. Zu dieser Zeit bildete sich in St. Agatha um Stefan Fadinger und Christoph Zeller eine Gruppe, die sich der Rekatholisierung widersetzte und die Bayern vertreiben wollte.
Stefan Fadinger - Familie und Heimat
Erstmalig werden die Leistungen von der Hueb zu Fatting (genauer Hueb zu Vätting) im Schaunberger Urbar 1371 aufgezählt. In der Urbarien des 16. Jahrhunderts und in den Protokollen des 17. und 18. Jahrhunderts ist die Schreibweise Fätting und Fättinger ausnahmslos üblich. Die zwei Striche über dem a deuten an, dass ein offenes, helles a zu sprechen ist. Fehlen die zwei Striche, ist ein Laut zwischen a und o zu sprechen. Da heute die zwei Striche den Umlaut andeuten und für den Leser nur störend wirken, wird im weiteren von der alten Schreibweise Abstand genommen und nur Fatting und Fattinger geschrieben. Auf dem Gut zu Fatting sind im 16. Jahrhundert zuerst als Schaunberger und nach der Teilung des Schaunberger Erbes als Stauffer Untertanen genannt: Hannes Fattinger, Steffan, Paulus. Es folgte auf Paullus Fattinger sein Sohn Steffan Fattinger am Gute zu Fatting am Walde bei der Stauff. Dieser Steffan Fattinger ist der nachmalige Generalobrist des Bauernheeres Stefan Fadinger, Steffan Fattinger hat das väterliche Gut 1616 und 1617 übernommen. Wenn sich der neue Stifter (Hofübernehmer), wie es damals üblich war, gleich nach der Übernahme verehelichte, war das älteste Kind bei seinem Tode im Jahre 1626 höchstens acht oder neun Jahre alt. Wie sein Vater war auch Steffan Fattinger der Herrschaft Peuerbach zehentpflichtig. Vor dem Bauernkriege wird Steffan Fattinger nur einmal in den Herrschaftsprotokollen als Zeuge in einer Erbschaftsquittung genannt. Nach dem Bauernkriege wird der Fattinger in der Abhandlung nach dem Tode des Hanns Günther in Götzling mit einer Schuld von 24 fl (Gulden) angeführt. Das Fehlen jeder Verhandlungstätigkeit in der Herrschaftskanzlei zu Aschach in den ersten Maitagen und Maiwochen des Jahres 1626 zeigt schon das Aufziehen des Ungewitters an. Der Bauernaufstand nahm seinen Anfang am 17. Mai mit dem Aufgebote der Bauern am Walde. Steffan Fattinger und sein Schwager Christoph Zeller als Urheber der Rebellion riefen die Bauern auf, und diese leisteten ihnen Gefolgschaft. Dafür bekamen sie auch nach dem Zusammenbruch des Aufstandes die ganze Schwere der Vergeltungsmaßnahmen zu spüren. Steffan Fattinger wurde von den aufständischen Bauern, nachdem er die Bauern im Mühlviertel aufgerufen hatte, zu Peuerbach zum Oberhauptmann für das Hausruck- und Traunviertel gewählt. Sein öffentliches Auftreten dauerte eigentlich nur vom 17. Mai bis zum 4. Juli, also kurze 7 Wochen. Kein Bildnis hat uns die Züge des kühnen Bauern erhalten, denn im Kriegsgetümmel war weder Zeit noch Gelegenheit, den „Rebellen“ zu abkonterfeien. Während Riesching nächst St. Agatha noch nach Natternbach eingepfarrt war, gehörten St. Agatha selbst und die Ortschaft Parz (Fattinger-Hof) zur Pfarre Waizenkirchen. Tatsächlich gingen jedoch die Bewohner in die Zukirche zu Haibach, welche mit einem evangelischen Prediger besetzt war. Von dem evangelischen Prediger Hans Cummerer, welcher um 1589 die Kirche zu Haibach versah, mag Steffan Fattinger den Unterricht in jenem christlichen Glaubensbekenntnisse erhalten haben, zu dessen Schutz er später all seine Kräfte aufwendete. Während der Kämpfe um die Stadt Linz bekam Steffan Fattinger bei einem Ritt vor dem Landhaus am 28. Juni einen Schenkelschuss. An den Folgen dieser Schussverletzung starb er am 5. Juli 1626 angeblich im Hause Nr. 5 zu Ebelsberg. Am 7. Juli wurde er im Friedhof zu Eferding standesgemäß begraben. Der Friedhof blieb aber nicht seine letzte Ruhestätte. Gemäß Dekret des Statthalter Graf Adam Herberstorff vom 5. Mai 1627 wurden die toten Bauernführer ausgegraben und im Seebacher Moos nächst Eferding verscharrt. Der Fattingerhof wurde bis auf den Grund niedergebrannt. Weib und Kinder des Rebellen wurden des Landes verwiesen, Grund und Boden der Herrschaft für verfallen erklärt. Mit Steffan Fattinger erlosch das Geschlecht der Fattinger auf dem Gute zu Fatting am Walde bei der Stauff. Der heutige Fattingerhof steht nicht an der Stelle des alten, auf welchem Steffan Fattinger gehaust hatte. Die Brandstätte, Grund und Boden wurden im Jahre 1628 dem Wirt zu Wegern Sigmund Ernprandtner und Margaretha, seiner Hausfrau, verkauft. Das Gut zu Fatting mit einem Schätzwert von 800 fl war das größte der bäuerlichen Anwesen am Walde des Staufferamtes. Ein Gut mittlerer Größe war das Herzoggut (Hörzigut) mit 450 fl. Schätzwert. Beide Güter gehörten bis 1756 in die Pfarre Waizenkirchen. Als Einzelhöfe wurden sie 1771 mit fünf anderen zur Ortschaft Parz in der Pfarre St. Agatha zusammengefasst.
Christoph Zeller - Familie und
Heimat Die Zeller saßen in der Ortschaft Dorff auf dem Gütl am Weeg, dessen Gründe bis Haibach heranreichten, und waren zugleich Wirte auf der Taverne bei der Kirche in Haibach. Christoph Zeller brachte kurz vor dem Jahre 1625 die Taverne bei St. Aiden (St. Agatha) an sich. Die Taverne bei St. Aiden wurde erst nach der Teilung des Schaunberger Erbes im letzten Viertel des 16. Jahrhunderts unter der Herrschaft Peuerbach errichtet. St. Aiden bedeutet hier die Kirche der hl. Agatha. Kirche und Taverne liegen auf Grundstücken des 1371 genannten Heinrich zu Heiligenstein, der dort zwei Aigen besaß. Die einzigen behausten Untertanen bei St. Aiden waren der Wirt und der Amtsmann. Der erste bekannte Wirt auf der Taverne bei St. Aiden war Paulus Dittenberger. Wie lange er nach 1596 die Taverne innehatte und wer sein unmittelbarer Nachfolger war, lässt sich urkundlich nicht feststellen. Sicher wissen wir von ihm, dass er über 40 Jahre als Amtsmann am Walde tätig war. Christoph Zeller führte die Bauern bei der Schlacht auf der Ledererwiese bei Peuerbach zum ersten Erfolg und wurde zum Oberhauptmann im Mühl- und Machland gewählt. Zwei Monate befehligte er die Bauern am linken Donauufer. In der Nacht vom 17. auf den 18. Juli 1626 fiel er im Kampfe mit den bayrischen Truppen vor Linz. Wie Steffan Fattinger wurde er auf dem Friedhof zu Eferding bestattet. Aber auch seine letzte Ruhestätte wurde das Seebacher Moos bei Eferding. Als Strafe für den Rebellen wurde Christoph Zellers Heimstätte, die Taverne bei St. Aiden, bis auf den Grund niedergebrannt. Die Brandstatt fand erst im Jahre 1628 in Georg Erb einen Käufer. Einen wirklichen Aufschwung nahm die Taverne erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts unter Johann Carl Weiss, der 50 Jahre Hofwirt in St. Agatha war. Und nun der Verlauf des großen Bauernkrieges 1626
Resümee Die Rache des Siegers traf nicht nur die toten Führer, die nicht unter Ehrlichen ruhen durften, sondern auch alle jene, die ihnen als erste Gefolgschaft geleistet hatten. Auf den 83 Feuerstätten am Walde (Gegend bei St. Agatha) die ins Stauffer Amt gehörten, gab es vom 1. Mai 1626 bis 7. Mai 1627 56 Sterbefälle. Auf den 58 Bauerngütern gab es 30 Tote. Was die Bauern von Oberösterreich, im Land ob der Enns, nicht durch Gewalt erreichen konnten, bekommen sie, als die Zeit dafür reif war, auf friedlichem Wege, aber erst nach Jahrhunderten. Quelle: Anton Sandberger, ehemaliger VS-Direktor von St. Agatha |